Die Arbeit des Blaudruckens
Die Model
Die Muster der Blaudruck-Stoffe werden von Hand mit Modeln gedruckt: Diese waren anfangs ganz aus Buchsbaumholz geschnitten, im 19. Jahrhundert bildete man das Muster aus feinen Metallstiften, die in Birnenholz gesetzt wurden. Diese Modeln stellte ein spezialisierter Handwerker, der Formenstecher, her. Die Werkstatt im Kattrepel arbeitet mit ca. 460 Modeln aus den letzten vier Jahrhunderten.
Das Drucken
Mit den Modeln wird eine klebrige Masse auf den Stoff aufgedruckt: der sogenannte Druckpapp. Diese 400 Jahre alte Rezeptur besteht aus "Gummi-arabicum, weißer Tabackspfeifenerde, Kupfervitriol, Grünspan, Bleizucker, Alaun und Bleisulfat etc." und wirkt als schützende Reserve auf dem weißen Tuch an den so bedruckten Stellen. Sorgfältig wird jedes Tuch Stück für Stück von Hand im Rapport bedruckt.
Das Färben
Die anschließende Blaufärbung findet in der Indigo-Küpe statt. Der bedruckte Stoff wird auf einen eisernen Kronreifen gespannt und bis zu zehnmal in den Färbebottich getaucht, bis die gewünschte Farbtiefe erreicht ist. Beim Färben mit Indigo erlebt der Zuschauer sein "blaues Wunder", und der Stoff wird vom Färber anschließend "grün und blau geschlagen...". Danach wird der anfangs aufgedruckte Papp abgewaschen, und das weiße Muster erscheint auf blauem Grund.
Die "Blaudruckerei im Kattrepel" erfüllt mit moderner Filtertechnik die Vorschriften für die Abwasser-Reinigung und hält die behördlichen Grenzwerte für Einleiter von Schadstoffen ein. Die Stoffe der "Blaudruckerei im Kattrepel" werden entweder traditionell mit Indigo oder einem modernen Indanthren-Blau in der Küpe gefärbt. Aus Leinen, Baumwolle, Hanf, Samt und Seide werden Dekor- und Kleiderstoffe gefertigt.
Geschichte
Wir Europäer lernten erst vor ca. 400 Jahren das Färben mit Indigo und den Reservedruck durch den Handel mit Indien kennen. Vorher kannten wir zum Blaufärben nur den Färberwaid aus Thüringen, der vom besseren tropischen Indigo verdrängt wurde. Bei beiden Pflanzen wurde aus dem Saft ein blaues Pulver gewonnen. Blaudruckereien gab es in allen europäischen Ländern. In Jever z.B. haben durch die Jahrhunderte immer drei Werkstätten gearbeitet, bis sie zur Zeit der Jahrhundertwende durch die Industrie verdrängt wurden.